LKW-Verkehr in Reinheim

Dankenswerterweise hat sich die Bürgerinitiative RoLD für ein Tempo-30-Limit im Verlauf der B426 eingesetzt, was ja auch Früchte getragen hat. Es bleibt zu hoffen, dass die angeordnete Tempobegrenzung auf 30 km/h erstens für den gesamten Verlauf der B426 in Reinheim gelten wird und zweitens auch die erhoffte Entlastung für die Anwohner bringt.

Allein das kann es aber nicht sein. Die GRÜNEN Reinheim plädieren nach wie vor und nachdrücklich dafür, dass der LKW-Verkehr um Reinheim über die B38/B26/B45 geleitet wird. Eine ins Gespräch gebrachte und mit Nachdruck von den anderen Parteien und vielen Bürgern geforderte Nord-Ostumgehung Reinheims, die unter anderem das Naturschutzgebiet Reinheimer Teich nicht unerheblich tangieren würde, lehnen die GRÜNEN grundsätzlich ab. Die nächste Bürgerinitiative wäre auch bei dieser Lösung die Folge, weil der zunehmende Verkehr auf der Querspange zur B38 erneut viele Menschen belasten würde, die sich zu Recht zur Wehr setzen würden.

Auch die Umfahrungslösung, wie die GRÜNEN sie favorisieren, hat ja schon Bürger in Georgenhausen/Zeilhard auf den Plan gerufen, weil man befürchtet, dass die zusätzliche Verkehrsbelastung auf der B38 zu erheblichen Belästigungen in den Ortsteilen führen könnte.

2008 haben die Reinheimer GRÜNEN sich erfolgreich für die Sperrung der Kirchstraße eingesetzt mit dem Erfolg, dass andere Bürger sich jetzt mehr belastet fühlen.

Man sieht also, dass man es nie allen Menschen überall Recht machen kann. Da hilft es auch nicht, wenn man auf den politischen Gegner in Person des grünen Oberbürgermeisters von Darmstadt einschlägt und ihm vorwirft, er habe eigenmächtig die Stadt für den LKW-Verkehr gesperrt und belaste damit das Umland. Der Reinheimer SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Schmidt scheint schon im Wahlkampfmodus zu sein, wenn er solche Behauptungen in die Welt setzt. OB Partsch hat keineswegs willkürlich oder gar ungesetzlich gehandelt, sondern gesetzeskonform, weil er die Bürger Darmstadts wegen überschrittener Grenzwerte für Feinstaub vor Umweltbelastungen schützte, indem er ein Durchfahrtverbot für LKW anordnete. Er hat etwas getan, was man vom Reinheimer Bürgermeister selbstverständlich auch erwarten würde.

Das ist aber nicht so einfach, wie es den Anschein hat. Lösungen sind äußerst komplex, weil mögliche Varianten nicht wirklich zufriedenstellende Ergebnisse für Alle bringen. Ändert man etwas an einer Stelle, hat man ein Problem an einer anderen. Nach Ansicht der GRÜNEN muss es eine umfassende, überregionale Lösung geben, bei der zunächst Aufklärung notwendig ist und den Betroffenen klar werden muss, dass im Grunde jeder Mensch, fast überall von der Belastung durch zunehmenden Verkehr beeinträchtigt ist.

Um das kleinräumige Denken zu überwinden, müssen auf oberster politischer Ebene Weichen gestellt werden, neue Vorgaben gemacht werden: weniger Individualverkehr, emissionsarme Antriebe, Verbesserte Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs und nicht zuletzt mehr Güter auf die Schiene und damit Reduktion des LKW-Verkehrs; was selbstverständlich nicht heißen soll, dass man sich an der Basis nicht zu Wort meldet und Druck aufbaut. Allerdings gehört dazu auch, Bewußtsein zu schaffen für Mensch, Natur und Umwelt. Es ist nämlich nicht wirklich zielführend, wenn immer noch um den eigenen Kirchturm herum geplant und agiert wird, was vor 100 Jahren sicher eine gewisse Berechtigung hatte. Schön wäre, die Menschen selbst würden durch vernünftiges Verhalten und Einschränkung von überflüssigem Konsum dazu beitragen, dass die Belastung durch Verkehr reduziert wird. Das aber ist zur Zeit nicht mehr als eine Wunschvorstellung. Träumen kann man ja.

 

Hans Menningmann